Achtsamkeit in der Selbstfürsorge

31.08.2020

Der Begriff Achtsamkeit wird inzwischen geradezu inflationär verwendet. Dabei fällt die Definition der Achtsamkeit durchaus unterschiedlich aus. Es gibt Menschen, die sich kaum etwas unter dem Begriff vorstellen können und ihn vermutlich deswegen unter Spiritualität oder Esoterik verbuchen. Doch damit hat Achtsamkeit in Wirklichkeit nichts zu tun. Sie gehört zu den Eigenschaften, die wir alle mit uns auf die Welt bringen. Kinder sind von Geburt an wesentlich achtsamer als Erwachsene. Sie gehen bewusster mit ihrer Umwelt um, erkunden sie mit allen Sinnen und sind in der Lage, ihre Aufmerksamkeit fokussiert auf eine Tätigkeit (wie das Stapeln von Klötzchen) auszurichten. Diesen Fokus zu halten und unvoreingenommen auf eine Sache oder einen Menschen zuzugehen, haben wir Erwachsene durch unsere Lebensweise, die gekennzeichnet ist von einem ständigen Höher, Schneller und Weiter längst verlernt. Wir glauben stets zu wissen, wie sich eine Situation entwickeln wird und sortieren die Menschen, denen wir am Tag begegnen, schnell und zuverlässig in Denkschubladen ein. Dabei halten wir uns stets für objektiv, was definitiv nicht der Wahrheit entspricht. Dieses unbewusste Bewerten mag auf den ersten Blick eine wertvolle Hilfestellung sein, da es uns dabei hilft, Zeit und Energie zu sparen. Bleiben wir allerdings ununterbrochen in diesem Modus, verlieren wir den wirklichen Kontakt zur Außenwelt und, wenn wir auf diese Weise auch mit unseren inneren Impulsen verfahren, den Kontakt zu uns selbst.

Bewusstheit im Hier und Jetzt. Achtsamkeit als Trainingstool, verfolgt das Ziel, unsere Aufmerksamkeit bewusst auszurichten und zunächst möglichst offen und wertneutral wahrzunehmen, was da ist, ohne sofort etwas verändern zu wollen oder zu erwarten. Das Herzstück der Achtsamkeit ist das Hier und Jetzt. Bewusste Präsenz im (Berufs-)Alltag zu entwickeln und zu halten, fällt uns extrem schwer. Zum einem weil wir ständig einer Vielfalt an Reizen im Außen ausgesetzt sind, die ständig um unsere Aufmerksamkeit kämpfen. Zum anderen weil unser Geist von Natur aus sehr unstet und fortwährend mit Gedanken beschäftigt ist. Unter den Meditierenden sprechen wir vom sogenannten „Monkey Mind“, einem Geist, der so unruhig ist wie eine Affenbande, die sich ruhelos von einem Ast zum anderen schwingt. Mal denken wir über Vergangenes nach, mal greifen wir vor und organisieren gedanklich die Zukunft. Das Gedankenkarussell dreht sich immer weiter. Da bleibt leider nicht mehr viel Zeit für die Gegenwart. Aber genau hier spielt sich das wahre Leben ab. Und wenn wir den Augenblick nicht wahrnehmen, geht das Leben spurlos an uns vorbei.

Empathischer innerer Dialog. Eine weitere und sehr wichtige Eigenschaft der Achtsamkeit ist die Freundlichkeit, mit der wir unseren Geist nach innen, auf die eigene Befindlichkeit und Bedürfnisse, und nach außen lenken, auf die Umgebung und unsere Mitmenschen. Lauschen Sie dazu gezielt auf Ihr inneres Geschehen und nehmen den Dialog, der dabei entsteht, aufmerksam wahr. Welche Gedanken, Impulse und vielleicht auch Vorurteile tauchen auf und wie ist der Grundton dieser Kommunikation – eher streng und (selbst-)kritisch oder mitfühlend und wohlwollend? Nehmen Sie sich diese Aufgabe für heute und die kommenden Tage vor. Verbinden Sie sich dazu immer wieder zwischendurch bewusst mit Ihrem Atem, indem Sie Ihre Wahrnehmung auf Ihren Körper richten und durch die Nase ein- und ausatmen. Dann spüren nach innen und nehmen wahr, wie es Ihnen gerade jetzt geht und welche Gefühle präsent sind. Denn wie oft am Tag fragen wir andere, wie es ihnen geht und wie selten dagegen fragen wir uns das selbst? Mit ein bisschen Übung wird Ihnen das immer besser gelingen, später auch wenn Sie in eine Tätigkeit oder ein Gespräch vertieft sind. Diese simple Wahrnehmungsübung wird Ihnen dauerhaft helfen, im achtsamen Kontakt mit sich selbst zu bleiben, was auch die Voraussetzung dafür ist, achtsam mit anderen in Kontakt zu kommen.

Ausblick: Auch in den nächsten Impuls-Nuggets bleiben wir beim Thema Achtsamkeit, denn hier gibt es eine Menge, die Sie wissen sollten. Im kommenden Nugget wenden wir uns dem Grundprinzip und den Formen der Achtsamkeit zu und Sie erhalten wieder eine kleine Übung an die Hand.